Freiherr Hochtrab zu Niedergang

Ökobilanz der Frau

Folgende Betrachtungen stammen aus einem bemerkenswerten Dokument: Den erschütternden Enthüllungen des Freiherrn Hochtrab zu Niedergang. Der Erzähler behauptet, auf grauenhafte Untaten einer seit Ewigkeiten werkelnden Geheimorganisation gestoßen zu sein. Offenbar belegen seine Erkenntnisse eine Tatsache: Die Weltgeschichte, wie wir sie kennen, fand so nie statt. Allem Anschein nach stach er in ein Hornissennest. Nun jagen ihn finstere Gestalten. Um die ahnungslose Menschheit vor diesen Bösewichten zu warnen, beginnt er sein Wissen niederzuschreiben. Im Gegensatz zur betonten Zeitnot verliert er sich in Belanglosigkeiten. – So scheint es. Tatsächlich spricht die Plaudertasche interessante, vielfach brisante Themen an. So etwa die ...

Ökobilanz der Frau

Der Einfachheit zuliebe verenge ich den Blickwinkel auf postindustrielle Staaten. Deren demographische Daten belegen zweierlei: Erstens, dass hier mehr Frauen als Männer leben. Zweitens, dass Frauen durchschnittlich älter als Männer werden.

Beleuchten wir zunächst Punkt zwei. In der höheren Lebenswartung der Frau drücken sich wiederum zwei Tatsachen aus: Zum einen, dass die mehr oder minder verschwenderisch gepolsterten Grazien das zähere, robustere, stärkere Geschlecht darstellen. Zum anderen, dass Frauen länger Unheil anrichten können. Hier kommen ökologische Gesichtspunkte ins Spiel.

Die Umweltbilanz der Frau stellt sich ceteris paribus, also unter ansonsten gleichen Umständen, deutlich unvorteilhafter dar als jene des männlichen Geschlechts. – Wieso, fragen Sie? Nun, das liegt auf der Hand: Sie lebt länger. Somit verbraucht sie länger und damit mehr Ressourcen. Zudem trägt sie in höherem Maß zur Umweltverschmutzung bei. Diese logisch gestützte Feststellung ist rechnerisch belegbar. Bereits anhand der Differenz mittlerer Lebenswartungen von Frau und Mann lässt sich ein Planetenplünderungs- und Verschmutzungskoeffizient – abgekürzt PPuVSK – berechnen. Derart einfache Gleichungen greifen allerdings ein wenig kurz. Wird ein tiefenscharfes Bild angestrebt, sind geschlechtsspezifische Eigenarten beziehungsweise zwischengeschlechtliche Reiz-Reaktions-Schemata zu berücksichtigen. Die Materie erweist sich als recht komplex. Ihnen Feinheiten zu vermitteln, würde den Rahmen dieses enthüllenden Dokuments sprengen. Die Richtung will ich jedoch weisen.

Beispielsweise spielen offenkundig angeborene Nestbauinstinkte in Verbindung mit genetisch verankerten Höhlenüberausstattungstrieben des rundhüftigen Geschlechts eine Rolle. Diese Veranlagung übersetzt sich in einen gegenüber männerspezifischen Werten gesteigerten Materialbedarf, wobei der Bedarfsbegriff allenfalls teilweise im Sinne von etwas Lebensnotwendigem zu verstehen ist. Zu nichts zu gebrauchender Schnickschnack, den Frauen gewohnheitsmäßig anschleppen, unzählige Staubfänger, all die nutzlosen Ziergegenstände sind sicherlich nicht lebensnotwendig. Nicht für die Frau selbst. Für deren Gefährten durchaus. Hat sie diesen wertvollen Raum beanspruchenden, diesen unermessliche Produktionskapazitäten voraussetzenden Krempel nämlich nicht, bereitet sie ihm die Hölle auf Erden. Endergebnis: eine drastisch verringerte Lebenserwartung des armen Kerls. Aber: Er besitzt grundsätzlich schlechte Karten, da er über einen Verkauf seiner Arbeitskraft – nichts anderes als reine Vergeudung kostbarer Lebenszeit – in zumeist beträchtlichem Umfang zum Erwerb ihres Gerümpels beizutragen hat. Damit nicht genug: Ihr zusammengetragenes Sammelsurium des Nutzlosen beschneidet seine Bewegungsmöglichkeiten zwischen Bett, Kühlschrank und Couch, wodurch sein Lebenswillen vorzeitig erlischt.

Während Sie den Raumbeanspruchungen erwähnenden Satz lasen, dürften Ihnen zweifelsohne stadtplanerische Fragen in den Sinn gekommen sein. Mir erging das ebenso, als ich mich erstmals eingehender mit diesem Themenfeld auseinandersetzte. Eine Überlegung drängte sich damals geradezu auf: Müsste dem weiblichen Sammeltrieb angesichts vielerorts knappen Wohnraums nicht mittels spezieller Wohnraumzweckentfremdungsverordnungen – kurz WZEVO – begegnet werden? Allein aus dieser einen Frage ergibt sich ein Rattenschwanz aufarbeitungsbedürftiger Aspekte, die bis zur Tarifgestaltung öffentlicher Verkehrsmittel – kurz TÖV – führen. Denn: Im Grunde kann es nicht angehen, dass mit Sackerln bepackte, neben jweiligen Sitz- oder Stehplätzen erhebliche Raumbestandteile einnehmende Frauen in Bahn, Bus oder Bim denselben Fahrpreis bezahlen wie Männer, die sich notgedrungen auf Restflächen drängen und sich somit erhöhten Infektionsrisiken ausgesetzt sehen. Die Folgen der von wolkenhaft verdichteten Testosteronausdünstungen erzwungenen Umschaltung höchst empfindsamer Männerkörper in den Flucht- oder Kampfmodus will ich gar nicht erst erwähnen.

An dieser Stelle bitte ich um Entschuldigung. Um ein Haar hätte ich es verschwitzt, deutschen Lesern einen im Eifer des Gefechts eingeflossenen österreichischen Begriff zu übersetzen: »Sackerl« bedeutet »Tüte«. Ach ja, beinahe übersah ich es in meiner, meiner ausweglosen Lage zuzuschreibenden Erregung: Auch die »Bim« ist in der Alpenrepublik zu Hause; in Graz, Linz und Wien bezeichnet der putzige Ausdruck die Straßenbahn.

Um nochmals auf oben angeführte Produktionsstätten zurückzukommen: Die industrielle Revolution wäre ohne die weibliche Leidenschaft für das Nutzlose vermutlich in den Kinderschuhen stecken geblieben, von Industrieabgasen erstickte Chinesen bekämen noch Luft, Maslow wäre niemals auf die Idee seiner Bedürfnispyramide verfallen. Seine in der Bedürfnishierarchietheorie formulierte Kernaussage geht allerdings fehl, ohne dass es der wissenschaftlichen Zunft aufgefallen wäre. Der 1908 in Brooklyn, einem Stadtteil New Yorks, geborene Junge und spätere Seelenklempner behauptete nämlich, nachdem er Beobachtungen gesammelt hatte, die Bedürfnisse des »Menschen« seien endlos. Das ist falsch. Richtig ist, dass die Frau den Kragen nicht voll bekommt. Die Gebrüder Grimm waren klüger. Sie kennen deren feinsinnig als Märchen verpackte Verhaltensstudie bestimmt: »Vom Fischer und seiner Frau.« Was diese unersättliche Küstenbewohnerin veranstaltete, kann mit Fug und Recht als Versuch einer aktiven Lebenszeitverkürzung ihres genügsamen Gatten gedeutet werden. – Ein Einzelfall? Die Antwort überlasse ich Ihnen.

Mir ist es wichtig, einen gemeinhin unbeachteten Gesichtspunkt anzuschneiden, der sich in eine grottenschlechte Umweltbilanz der Frau überträgt. Dem Leser mag es Bauchgrimmen bereiten, wenn ich eine unter Männern verbreitete Vorstellung als das enttarne, was sie ist: ein Irrglaube, blanker Selbstbetrug, eine wirklichkeitsferne Illusion. – Worauf will der gehetzte, in seinen vier Wänden umstellte, von einer furchteinflößenden Meute verfolgte Bursche mit der knappen Zeit nun wieder hinaus, mögen Sie fragen. Nun, der Mann sieht sich gern als Eroberer. Was die meisten Angehörigen des haarigen Geschlechts nicht begreifen beziehungsweise anerkennen, ist, dass sie im Fall einer vermeintlichen Eroberung gleichsam einer Einladung folgten, dass sie durch offene Burgtore stürmten. Kurz: Die Frau wählt – sofern sie Wahlmöglichkeiten besitzt – den Mann aus, nicht umgekehrt. Das ist bei den zur Familie der Fasanenartigen gehörenden Auerhühnern genauso. Dabei wählen Hennen quasi eine Position aus, keinen bestimmten Hahn. Dieser Zug kann als Prostitution betrachtet werden.

Anders als bei den hübsch gefiederten Hühnern ist das beim Menschen: Die vielen fünfundzwanzigjährigen Mädels, die sich achtzigjährigen Männern an den Hals werfen, tun das aus lauter Liebe. Und zwar aus Liebe zu seiner Potenz, ihnen all den Plunder zu verschaffen, von dem ihr seelisches Gleichgewicht und ihre Lebensfreude abhängen. Ihnen geht es im Gegensatz zu den rangverliebten Hühnern weniger um seine Position, sondern vielmehr um den Inhalt seines Beutels. Die Konsequenz ist unschwer ersichtlich: Der Wettstreit zwischen jungen sowie jungen und alten Männern um die Gunst der jungen Frau wird außerordentlich verschärft. Die Folge: Jungspunde suchen verzweifelt Arbeit, um Geld zu verdienen. Vielfach schuften diese biologisch zu teils absonderlichem Imponiergehabe verdonnerten Balztänzer in nutzlose Dinge herstellenden Unternehmen. Da sie nun – oftmals mehr schlecht als recht – zahlungsfähig sind, kaufen junge Männer diesen Schrott, um ihn jungen Frauen zu schenken, um diese damit für sich zu gewinnen. Verschenkt ein Teil der Jungmänner Krempel, müssen andere nachziehen, um stechen zu können. Die Folge: Es wird noch mehr Krimskrams produziert. Damit finden junge Frauen noch mehr Ramsch in noch mehr überflüssigen Läden, den sie sich nun selbstredend zwanghaft selbst spendieren. Diese nutzlosen Gegenstände werden auf Grundlage umweltbelastenden Verbrauchs umweltzerstörerisch gewonnener Bodenschätze gefertigt. Spätestens hier wird klar, dass die Überbeanspruchung irdischer Ressourcen samt allen verheerenden Folgen gutteils dem weiblichen Geschlecht anzulasten ist. Evas Sammeldrang stempelt auch sinnvolle Gebrauchsgüter zu Überfüssigem: Sie trägt die wenigsten ihrer in rauen Mengen eingesackten Schuhe und Handtaschen mehr als ein paar Mal, wenn überhaupt. Damit ist das Ende der umweltbilanziellen Fahnenstange mitnichten erreicht. Denn: Junge Männer erwerben massenhaft Nutzloses für sich, um junge Frauen zu beeindrucken, um sich deren Zuwendung zu sichern. Zu diesen Gegenständen zählen aufschneiderisch übermotorisierte Sprittfresser und protzige Uhren. Weiterhin sind Bodenversiegelungen, Störungen des Grundwasserhaushalts, Ackerlandverknappungen und dergleichen einzurechnen. Diese ergeben sich daraus, dass neue Produktionsstätten zu bauen, Industriewerke zu erweitern, Geschäftsgebäude zu errichten und verbindende Straßen anzulegen sind. Vor allem schlagen übergroße Wohnungen zu Buche, die erforderlich sind, um all die überflüssigen Sachen unterbringen zu können, an denen das weibliche Herz hängt. Fazit: Die Hinwendung junger Frauen zu weit älteren Männern verhagelt die gesamtgeschlechtliche Ökobilanz der Weiblichkeit vollends.

Über das Verhältnis von Mann und Frau, über jeweilige Eigenschaften, ließe sich noch vieles sagen. Aber nicht hier. Bevor Sie Trübsal blasen: Den einen oder anderen spannenden Aspekt streift dieses enthüllende Dokument in späteren Kapiteln. Daran führt kein Weg vorbei, darauf dürfen Sie sich freuen. Ich gönne Ihnen diese Freude, obwohl ich sie unmöglich teilen kann. Versetzen Sie sich in meine ausweglose Lage, verstehen Sie, weshalb dem so ist. – Ja, Sie liegen richtig: Weil mich jede verstreichende Minute sechzig Sekunden näher an die Schluchten nackten Grauens heranführt.